Leadership: Was haben Makaken mit Managern zu tun?

Sollten Sie im Leadership noch immer an strengen Hierarchien festhalten, empfehle ich Ihnen dieses Buch, das von sich selbst sagt, es ist eine „Einladung zur Reflexion“:

In „Die Rückkehr des Hofnarren“ ziehen die Autoren Hans A. Wüthrich, Wolfgang Winter und Andreas F. Philipp einen amüsanten Vergleich zwischen den Makakenaffen und dem Leadership von Managern großer, hierarchisch geführter Unternehmen.

Makaken, eine Untergruppe der Paviane, leben in streng hierarchisch strukturierten Gruppen. In einem Experiment wurde eine Makakengruppe mit Kartoffeln gefüttert. Aufgrund seines Spieltriebes wirft ein jugendliches Weibchen eine Kartoffel ins Wasser und lernt durch Zufall, Kartoffeln ohne Sand zu fressen. Fortan wäscht das Weibchen jede Kartoffel vor dem Verzehr. Seine Erfahrungen kommuniziert das Jungtier an gleichaltrige Spielkameraden und Geschwister. Ein Jahr später waschen auch ältere Makaken ihre Kartoffeln.

Leadership Makaken

(Quelle: bbc.co.uk)

Drei Jahre später  bringt erstmals ein Makakenweibchen seinem Jungen die neue Technik bei.

Zehn Jahre später fressen die ranghöchsten Männchen ihre Kartoffeln nach wie vor voller Sand oder spucken diesen mühsam aus.

In einer hierarchisch strukturierten Population wie der der Makaken verhindern institutionalisierte, vertikale Lernblockaden, dass Ranghohe von Rangniederen lernen. Makaken, die eine zentrale Stellung innerhalb der Gruppe einnehmen, geben ihr Wissen an andere weiter, nehmen aber selbst kein fremdes Wissen an. Sie wiederholen Verhaltensweise von gestern und scheuen Risiken.

Lassen Sie uns einen Versuch der Übertragung auf moderne, hierarchisch strukturierte Organisationen wagen. Wir sehen u.a. vier typische Effekte mit hoher Eigendynamik:

Entscheidungszentralisation:

In top-down geführten Organisationen werden wichtige Entscheidungen von wenigen Führungskräften, den Hierarchen, getroffen. Auf die Nutzung des Kreativpotentials durch Involvierung Direktbetroffener wird weitgehend verzichtet.

Problemrückdelegation:

Hierarchisch ausgelegte Strukturen beinhalten eine Vielzahl rein koordinierender Führungsfunktionen. Ihre Legitimation wird maßgeblich von der Annahme bestimmt, unterstellte Mitarbeitende könnten ihre Probleme nicht eigenverantwortlich lösen und würden deshalb rückdelegieren. Absicherungs- und Rückversicherungsverhalten sind die Folge. Die Qualität der getroffenen Entscheidungen ist suboptimal, der Sachverstand Direktbetroffener wird nur begrenzt einbezogen.

Makaken

(Quelle: Reuters/chaiwat subprasom)

Eigenverantwortlich Mitarbeitende:

In hierarchischen Strukturen sind Eigenverantwortlichkeit und Selbstorganisationsgrad tendenziell schwach ausgeprägt. In einem durch Fremdorganisation dominierten Umfeld sind letztlich nur wenige bereit und autorisiert, Entscheidungen mit Ergebnisverantwortung zu fällen.

Lernblockaden und Informations-Pathologien:

Je höher in der Hierarchie, desto größer die Gefahr, dass Informationen nur noch gefiltert ankommen. Ehrliches und zeitgerechtes Feedback erhält ein Hierarch selten – höchstens noch von den eigenen Kindern. Derart mit Blindheit versorgt, können verständlicherweise nur Wenige der verlockenden Versuchung widerstehen, sich selbst permanent zu bestätigen und zu überschätzen.

(Aus „Die Rückkehr des Hofnarren“ von Hans A. Wüthrich, Wolfgang Winter, Andreas F. Philipp, S. 26 ff.)

 

Sinn stiften in 2015

Irgendwie hat doch jeder irgendwann einmal in seinem Leben das Bedürfnis, etwas Sinnvolles zu tun und dazu beizutragen, positiven Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen.

Nun, ich habe 2014 bereits damit begonnen und habe mir für 2015 ein richtiges Projekt vorgenommen. Wie das im Leben so oft ist: solche Projekte sucht man nicht, diese Vorhaben finden einen.

In München gibt es das Leonhard-Projekt, das Strafgefangenen hilft, sich auf die Freiheit vorzubereiten. Damit sie nach ihrer Haft nicht wieder in die Kriminalität abrutschen, bekommen sie noch in der Haft Trainings, die ihnen Unternehmertum und weiteres Rüstzeug für eine mögliche Selbstständigkeit vermitteln. Hierzu gehört genauso die Strategie und die Erstellung eines Businessplans, aber auch ganz praktische Wissensvermittlung wie der Vertrieb oder die wertschöpfende Kommunikation. Um an diesem Programm teilnehmen zu dürfen, müssen die Gefangenen einige Kriterien erfüllen. Neben der Voraussetzung der guten Führung dürfen sie keine Serien- oder Sexualstraftäter sein und keine höhere Haftstrafe als 7,5 Jahre verbüßen. Pro 20-wöchigem Kurs werden 20 Straftäter aus ganz Bayern ausgebildet. Finanziert wird dieses Programm übrigens zu 80% von der EU und zu 20% durch Spendengelder.

Ziel ist es, dass die Gefangenen nach ihrer Haftentlassung innhalb kurzer Zeit wieder eine Anstellung finden und dies fällt ihnen leichter, wenn sie einerseits nachweisen können, dass sie am Leonhard-Projekt teilgenommen haben, denn sie erhalten ein richtiges Zertifikat der Steinbeis-Hochschule Berlin. Andererseits haben sie sich Unternehmergeist angeeignet und werden als potenzielle Arbeitnehmer interessanter für Unternehmen.

 

2014 habe ich an verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen, wie z.B. dem Vertriebstraining, dem Businessplan-Wettbewerb und der Abschlussveranstaltung. Es ist sehr beeindruckend, wie dankbar die Gefangenen sind. Plötzlich gibt es (möglicherweise zum ersten Mal in ihrem Leben) jemanden, der ihnen Mut macht, der ihnen zeigt, was sie können bzw. dass sie überhaupt etwas können, jemand, der an sie glaubt und die Dankbarkeit, die sie in der Abschlussveranstaltung zeigten, ging mir sehr ans Herz.

Für mich ist es eines der sinnvollsten Programme, das von Steuergeldern finanziert wird. Jeder Rückfall in die Kriminalität kostet in jedem Fall mehr Geld und im schlimmsten Fall Opfer.
Aus diesem Grund werde ich 2015 als Mentorin an diesem Programm teilnehmen. Dies bedeutet, dass ich einen Strafgefangenen nach seiner Entlassung begleite und ihm Hilfe zur Selbsthilfe geben werde.

Für mich ist das ein Geben und ein Nehmen. Ich biete dem Häftling Unterstützung, gebe ihm Halt, zeige ihm, wie man wertschätzend kommuniziert oder auch Konflikte wertschätzend lösen kann und denke, dass ich gleichzeitig selbst sehr viel lernen kann. Einerseits über die Gesellschaft, die Strafgefangene erst dazu macht (niemand wird dazu geboren) und andererseits über mich und meine Umwelt – der Umgang mit Vorurteilen, der Abbau eben dieser (beispielsweise bei potenziellen Arbeitgebern) und das Einfühlen in Menschen, die in vielen Dingen sicher sehr anders sind als ich.

Wenn „mein Mentee“ dann einer von den 60% ist, die innerhalb von 25 Tagen nach Haftentlassung einen Job bekommen oder einer der 19%, die sich selbstständig machen, freue ich mich sehr. Sinnstiftend ist dieser ehrenamtliche Einsatz allemal.

Sollten Sie sich auch einbringen wollen, erhalten Sie hier weitere Informationen: www.leonhard.eu. Spendengelder sind immer und jederzeit willkommen!

Ihre Britta Weber